Wendejazz – Jazz in Dresden rund um die politische Wende 1989

Vorwort

Konzerte 2009

Oktober 2009 – eine relativ ruhige, nahezu protestlose Zeit, auch im Klubkeller des Jazzclubs Neue Tonne Dresden auf der Königstraße 15.

Von den dreizehn für diesen Monat geplanten Veranstaltungen fanden auch dreizehn statt, darunter am 3. und am 10. Oktober zwei, die an die beiden Konzerte vor zwanzig Jahren, am 6. und am 8. Oktober 1989, klingend erinnern und Brücken in die Gegenwart schlagen sollten.

Bild vergrößern Die Sängerin Tiziana Scandaletti, Pianist und Komponist Ricardo Piacentini und Tänzerin Katja Erfurth (Sebastian Kahnert)

Die Sängerin Tiziana Scandaletti, Pianist und Komponist Ricardo Piacentini und Tänzerin Katja Erfurth (Sebastian Kahnert)

Das Konzert am 3. Oktober 2009 brachte auf der Basis des 1989 von Hannes Zerbe konzipierten Materials eine zeitgemäße Neuinterpretation zu Gehör. Mit dabei waren diesmal ganz bewusst Posaunist Jörg Huke – so wie es damals originär geplant war – und auch beide Schlagzeuger: Harald Thiemann, der 1989 nicht spielen konnte, weil er im Knast in Bautzen saß, und Wolfram Dix, der per Telegramm kurzfristig benachrichtigt wurde und einsprang.

Hannes Zerbe – p, keyb

Jörg Huke – tb, electronics

Peter Koch – cello

Harald Thiemann – dr

Wolfram Dix – dr

Jürgen Kupke – cl, sax

Bild vergrößern Die Sängerin Tiziana Scandaletti, Pianist und Komponist Ricardo Piacentini und Tänzerin Katja Erfurth (Sebastian Kahnert)

Die Sängerin Tiziana Scandaletti, Pianist und Komponist Ricardo Piacentini und Tänzerin Katja Erfurth (Sebastian Kahnert)

Das Konzert wurde in den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 5. Oktober 2009 rezensiert.

Auch die Veranstaltung am 10. Oktober 2009 im Fritz-Löffler-Saal des Kulturrathauses sollte künstlerisch an die 1989-er Auftritte von „Klänge, Gesten und Gestalten“ erinnern und Brücken in die Gegenwart schlagen. Für das Wiederaufnehmen der damaligen Ideen und deren heutige Neuinterpretation war zu beachten, dass im Jahre 2009 aus Alters- bzw. Gesundheitsgründen weder Roswitha Trexler singen noch Hanne Wandtke tanzen konnte. Auch Frederic Rzewski stand nicht zur Verfügung.

So wurde die zeitgenössische italienische Musik von Luca Lombardi zum konzeptionellen Zentrum des Konzertprojektes. Wer könnte eine solche Musik besser aufführen als das in Turin ansässige Duo Alterno? Tiziana Scandaletti und Riccardo Piacentini haben die Werke zahlloser zeitgenössischer Komponisten, insbesondere aus Italien, im Programm, mit dem sie seit Jahren durch die ganze Welt touren. 2009 war eine vierte CD ihrer Reihe „La voce contemporanea in Italia“ erschienen – ein noch überzeugenderer Hinweis auf deren künstlerische Eignung für dieses Projekt lies sich kaum finden.

Die Tänzerin und einstige Palucca-Schülerin Katja Erfurth übernahm den Part der tänzerisch-improvisierenden Interpretation einiger Stücke, darunter auch wieder die „Ophelia-Fragmente“ Luca Lombardis nach Texten von Heiner Müller. – So schwang sich der Bogen von 1989 bis 2009, vom Wende-Konzert in der damaligen Tonne bis zur zeitgenössischen italienischen Musik im Dresdner Kulturrathaus 2009.

Auf dem Programm standen:

Gilberto Bosco: „… im Träume“ (2007; Text: Heinrich Heine – Dedicated to Duo Alterno)

Sylvano Bussotti: „Lachrimae“ für Stimmen, bearbeitet für

Sopran und Piano (1978)

Riccardo Piacentini: „Jazz Motetus VIII“ (für Piano und CD-Player; 2003)

Luca Lombardi: „Ophelia Fragmente“ nach Heiner Müller

Riccardo Piacentini: „Foto-suoni delle nuove scienze“ (2009)

Ennio Morricone: „Epitaffi sparsi“ (1992/1993)

Der Abend wurde in den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14. Oktober 2009 rezensiert.

Der junge Dresdner Fotograf Sebastian Kahnert stellte einige Fotos zur Dokumentation zur Verfügung.

In beide Veranstaltungen, sowohl am 3. als auch am 10. Oktober 2009, führte Hartmuth Reichstein mit kleinen Künstler-Interviews ein, in denen er die Musiker vorstellte sowie über Vergangenes und Gegenwärtiges sprach.

Snap It Up! CMS v2