Wendejazz – Jazz in Dresden rund um die politische Wende 1989

Vorwort

Skizzensammlung als Bildquelle

Der Mann sitzt in der dritten Reihe, Cowboystiefel an den Füßen, den Hut eigentlich nur wegen der hinter ihm Sitzenden abgenommen, und zeichnet – vor ihm die Bühne, auf der Thomas Chapin, Tenorsaxofonist aus New York, gerade ein längeres, außerordentlich expressives und melodisches Solo bläst. Oder Joe Sachse, der seine Gitarre malträtiert, oder Baby Sommer, der trommelnd in sich hineinhorcht oder, oder … Der Mann ist Jürgen Haufe – Grafikdesigner, Maler, Grafiker und Liebhaber des zeitgenössischen Jazz, verstorben zu früh bereits im September 1999.

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Grafik (Jürgen Haufe)

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Grafik (Jürgen Haufe)

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Grafik (Jürgen Haufe)

Haufes zahllose, vor allem seit Ende der achtziger Jahre bei Konzerten entstandenen Bleistift- und Kugelschreiberskizzen bannten rasante Bewegungen, typische Spielhaltungen, ganze Spielabläufe oder eher abstrakt wirkende, expressive Körperverdrehungen der meist in höchster Anspannung spielenden Musiker aufs Papier. So wurde über die Jahre das sogenannte „Skizzenbuch“ immer vielfältiger und praller, eine wild wuchernde Sammlung von ad-hoc-Handzeichnungen, die zeitversetzt immer wieder visuelles Material, gedankliche Impulse, ästhetische Anregungen für eine ganze Reihe von Haufe-Jazzpostern lieferte.

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Damit wuchs aber auch eine der seltenen Bilderquellen zum Jazz in der Tonne rund um die Wendezeit im Herbst 1989. Denn die meisten der heutigen Dresdner Jazzfotografen waren während der Wendeereignisse 1989 nicht als Fotografen tätig (wie Dietrich Flechtner) oder konnten die damaligen Konzerte nicht fotografieren, weil sie 1989 selbst im Westen lebten – wie Matthias Creutziger und Jürgen Lösel. Jürgen Haufe, der auch im Eigenauftrag fotografierte, übernahm zwar nach Creutzigers Weggang 1988 zeitweise das Fotografieren von Konzerten für Rezensionen in der damaligen Tageszeitung „Die Union“, doch ließ der Künstler in der Endphase seiner Krankheit all seine Fotos vernichten.

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Abgesehen von den singulären Fotos Achim Laglers, die in dieser Broschüre enthalten sind, erweist sich damit die Skizzensammlung Jürgen Haufes als sehr spezifische, einzig verfügbare Bilderquelle zum Jazz in Dresden, speziell in der Tonne, während der Wendezeit.

Dankenswerterweise ermöglichte Anne Haufe die Nutzung dieser undatierten, unsignierten und bisher unveröffentlichten Skizzen für diese Broschüre.

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