Wendejazz – Jazz in Dresden rund um die politische Wende 1989

Vorwort

Streiflichter

………18. September 1989

Im fernen Berlin, noch deutlich vor den Wende-Ereignissen auf den Straßen mancher Städte der DDR, fordern DDR-Rock-Musiker, Liedermacher und Unterhaltungskünstler in einer gemeinsamen Resolution den öffentlichen Dialog im Land. Die Resolution war vom freiheitlichen Geist des Neuen Forums und von der Haltung der Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley inspiriert, aber von Musikern um Tony Krahl und Huga Laartz initiiert. Musiker aus Dresden – vom aus Meißen stammenden Martin Schreier abgesehen – sind unter den Erstunterzeichnern keine zu finden. Auch Freejazzer, mit Ausnahme von Conny Bauer, sowie Fusion- und Souljazzmusiker, mit den Ausnahmen Charly Eitner, Gerhard Laartz und Wolfgang Fiedler, sucht man in den Berichten und Veröffentlichungen zum Thema unter den Erstunterzeichnern fast vergeblich.

Weil die Musiker den Abdruck ihrer Resolution in den Tageszeitungen zunächst nicht durchsetzen konnten, verlasen sie sie vor jedem ihrer Auftritte – landesweit – und riefen damit nicht nur empörte Klubhausleiter, sondern auch die Polizei und Spitzel auf den Plan. Die Rockmusiker und Liedermacher kritisierten in ihrer Resolution die „unerträgliche Ignoranz der Partei- und Staats­führung“, begrüßten ausdrücklich, „dass sich Bürger in basis­demokratisch orientierten Gruppen finden, um die Lösung der anstehenden Probleme in die eigene Hand zu nehmen“ (zur Erinnerung: die meisten DDR-Bürger standen zu diesem Zeitpunkt dem gerade gegründeten Neuen Forum desinteressiert oder gar ablehnend gegenüber), sie forderten „jetzt und hier sofort den öffentlichen Dialog mit allen Kräften“, eine „Öffnung der Medien“, eine „Änderung der unaushaltbaren Zustände“. Das war mutig. Immerhin: Gerade die Profimusiker waren existenziell auf ihre „Pappe“, zum großen Teil auch auf ihren Pass, angewiesen – Dokumente, deren Besitz sie mit dem öffentlichen Eintreten für die Protestresolution aufs Spiel setzten. Viele der Erstunterzeichner bekamen sofort – direkt oder indirekt – Auftrittsverbot, finanziell hohe Ordnungsstrafen oder Klagen wegen Hausfriedens- ­­bruchs an den Hals (weil sie der Aufforderung, unverzüglich das Klubhaus zu verlassen, nicht nachgekommen waren).

………16. Oktober 1989

Das Verlesen der Resolution war mutig auch deswegen, weil schließlich die allermeisten DDR-Bürger solche Worte als Nestbeschmutzung empfanden (heutige Schätzungen im Zusammenhang mit den sogenannten Wahlfälscherprozessen behaupten, dass immerhin etwa 80 Prozent der Ostler ständig und wissentlich die Kandidaten der Nationalen Front gewählt hatten). Die Verbreitung dieser DDR-kritischen Resolution durch Rocker und Liedermacher hatte Konsequenzen. Es wuchs die Zahl der Ver­anstaltungen, auf denen die Forderungen dieses Textes diskutiert und andere ähnliche verfasst wurden. Und es kam schließlich auf Initiative von Musikern wie Toni Krahl, Tamara Danz und Lutz Kerschowski am 16. Oktober 1989, also unmittelbar nach den ersten stürmischen Wendetagen, zur außerordentlichen Vollversammlung der Sektion Rock beim Komitee für Unterhaltungskunst im Berliner Klubhaus „Peter Edel“.

Diese Rocker-Vollversammlung war die erste Protestreaktion eines offiziellen Gremiums auf die zugespitzten Verhältnisse in der DDR. Alle vorangegangenen Protestaktionen hatten sich spontan aus aktuellen Situationen heraus gebildet (z.B. der Protest Dresdner Schauspieler am Ende der jeweiligen Aufführung oder der während des Kolloquiums zu den damaligen Tagen der zeitgenössischen Musik).

Die auf der Vollversammlung erhobenen Forderungen gingen um einiges weiter als die der Resolution vom September 1989; so verlangten die Rocker unter anderem volle Reisefreiheit für jedermann und die Bestrafung aller, auch auf Seiten der Polizei, die für die Eskalation der Gewalt in den ersten Oktobertagen verantwortlich sind – und dies, obwohl an einen 9. November noch niemand geglaubt hatte.

Ab August suchten immer mehr DDR-Bürger Zuflucht in der deutschen Botschaft in Prag. In den folgenden Wochen besetzten Tausende das Gelände, worauf die DDR-Behörden einlenkten und ab 30. September insgesamt 17000 ihrer Bürger die Ausreise in die Bundesrepublik erlaubten.

………30. September 1989

Hans-Dietrich Genscher verkündete vom Balkon der Deutschen Botschaft in Prag: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mit­zuteilen, dass heute Ihre Ausreise …“ Das Satzende „möglich geworden ist“ ging im Jubel der etwa 4.000 ausreisewilligen DDR-Bürger unter.

………4. Oktober 1989

Etwa 10.000 DDR-Bürger reisen von Prag in Sonderzügen durch die DDR in den Westen. Dresden war wie elektrisiert. Vielleicht nicht nur Dresden. Aber Dresden besonders, und hier vor allem die Einwohner der Neubaugebiete.

Jahrzehnte lang das „Tal der Ahnungslosen“, war Dresden nun plötzlich innerhalb einiger Monate zur Drehscheibe der Information geworden. Wie Pilze waren vor allem in den Neubaugebieten ab etwa 1987 sogenannte Antennengemeinschaften aus dem Boden geschossen, die anfangs mit Dipol-Antennensystemen, später mit Satellitenempfang gearbeitet haben. Konsequenz: Das noch junge RTL-Satelliten-Fernsehen wurde zu jener Zeit in Dresden von sehr vielen Bürgern regelmäßig gesehen. Mit Folgen – denn RTL berichtete immer wieder mit eindrucksvollen Bildern über die Situation in der deutschen Botschaft in Prag und dann, fast im Stundentakt, wo die Züge gerade sind. Tausende pilgerten also zum Hauptbahnhof, manche vielleicht, um auf die Züge aufzuspringen, die meisten sicher aus Sensationslust oder um sich teils fassungslos-ungläubig, teils hämisch davon zu überzeugen, wie sich die sogenannte Volkspolizei gewalttätig an Demonstranten und an Zuschauern verging. Die parkenden Autos auf der Südseite des Hauptbahnhofes stauten sich bis zum Nürnberger Platz, in den kleineren Straßen des Schweizer Viertels und östlich der Russisch-Orthodoxen Kirche des Heiligen Simeon vom wunderbaren Berge war kein Parkplatz mehr frei.

………6. Oktober 1989

Bild vergrößern Dresden, Anfang Oktober 1989, Grunaer Straße (Thomas Hiltmann)

Dresden, Anfang Oktober 1989, Grunaer Straße (Thomas Hiltmann)

Harald Thiemann, ein junger Schlagzeuger, der an der Dresdner Musikhochschule studiert hatte, steigt am frühen Abend am Dresdner Hauptbahnhof aus dem Zug aus Berlin. Er erinnert sich: „Ich kam am 6. Oktober 1989 aus Berlin am Dresdner Hauptbahnhof an, bin raus auf die Leningrader Straße, um zu meiner Wohnung zu gehen. Mitten im Gedränge eingequetscht, sah ich die große Menschenansammlung und sah Kampfgruppen oder Armee. In der Nähe des Schallplattenladens an der langen Zeile stehend beobachtete ich, wie ein paar Flaschen flogen, was dazu führte, dass die Uniformierten sofort hart durchgriffen und Leute einfach abführten, egal wer es war, und ich wurde – wie viele andere – sofort festgenommen und kam für eine Woche nach Bautzen in Untersuchungshaft.

Niemand, wirklich niemand, wusste, wo ich war, auch Hannes Zerbe nicht, mit dem ich – übrigens erstmalig – ja am 8. Oktober im Tonne-Keller des Kurländer Palais spielen sollte. Ich saß also in Bautzen, niemand wusste, wo ich bin, und so konnte ich deswegen bei diesem Konzert nicht mitspielen.“

Ebenfalls am frühen Abend: Vorbereitungen und Proben für das Doppelkonzert „Klänge, Gesten und Gestalten“ im Tonne-Keller unter dem Kurländer Palais. Die erste Aufführung soll 19 Uhr, die zweite 22 Uhr starten. Aufgeregte und euphorisierte Menschen greifen nach der Video-Kamera, mit der Proben und Konzerte gefilmt werden sollen – man könne doch jetzt, wo draußen die Luft brenne, keine „Kunst“ machen! Man müsse stattdessen filmen, was auf der Straße geschieht! Die Kamera kommt nicht zurück, ob sie für oder gegen die Demonstranten genutzt wird, bleibt ein Rätsel, ebenso bleibt im Dunkeln, wer mit ihr filmt. Zur Dokumentation springt Achim Lagler ein; die Fotos des damaligen Journalisten der Sächsischen Neuesten Nachrichten sind die einzigen bekannten Bilddokumente des Abends.

Etwas später am Abend. Mitglieder der IG Populäre Musik Dresden und anderer überwiegend Dresdner Kulturbund­gruppierungen treffen sich in der Wohnung Tzschimmerstraße 32, diskutie­ren und verfassen eine Protestresolution, die am 10. Oktober an alle Dresdner Medien sowie an die Leitungen des Kulturbundes verschickt wird.

Zu den Initiatoren der Resolution gehören die Musikkritiker Mathias Bäumel (Jazz), Bernd Gürtler (Rock), Stefan Kelch, Jens-Uwe Sommerschuh (auch Kunst), die Rundfunkjournalistin Silke Hasselmann, der Jazz-Veranstalter Wolfgang Zimmermann und einige weitere Engagierte. Wolfgang Zimmermann in seinem Buch „Die Akten Jazz & Show“: „Mit Norbert Göller ging ich nach unserer Beratung noch in Richtung Hauptbahnhof und ganz plötzlich waren wir mittendrin in den Unruhen. Die Mauer der Uniformierten mit Schildern stand einer Mauer von Demonstranten gegenüber. Ab und zu machte die Polizei einen Ausfall, trieb einen Keil in die Demonstranten und sprengte dadurch einige von der Masse ab. Auf die wurde dann unter gellendem Pfeifen der Zuschauenden mit Gummiknüppeln eingeschlagen oder sie wurden den scharfen Zähnen der Hunde ausgesetzt.“

………7. Oktober 1989

Gespenstige Stille auf dem Dresdner Theaterplatz. In der Semperoper hat „Fidelio“ von Christine Mielitz Premiere. Vor dem Dunkel des Abendhimmels hebt sich die Silhouette des Operngebäudes ab wie die einer Trutzburg, vereinzelt werfen Laternen ein mattes Licht auf die Dächer der abgestellten Autos, das Rund wird seit Jahren als Parkplatz genutzt. Manchmal glimmen Lichter in gewissen Autos auf, begleitet von leisen, knarzigen, unverständlichen Stimmen aus Sprechfunkgeräten – in die Sitze gekrümmte, rauchende Gestalten gaben einander offenbar Anweisungen und tauschten Informationen aus. Ruhe vor dem Sturm? Während drinnen die Premiere von „Fidelio“ kurz vor ihrem Ende steht, warten draußen ein paar Dresdner, in ihren Wartburgs, Trabis, Škodas oder Moskwitschs sitzend, auf ihre Verwandten, um sie nach der Aufführung nach Hause zu fahren. Und es warten angespannt Sicherheitsleute, ebenfalls auf dem Theaterplatz in ihren Autos sitzend, auf weitere Anweisungen. Dann, die Aufführung scheint beendet, quillt der Tross diskutierender Opernbesucher aus dem Gebäude, versickert in die parkenden Autos, die Leute meist mit leuchtenden Augen und sofort losquasselnd: Wie mutig und herausfordernd die Inszenierung von Christine Mielitz sei, in der Bühnenbild und Kostüme ein Stück Strafvollzug in der DDR widerspiegelten. Und dass der Modrow während der Pause gegangen sei – ob ihm wohl die Inszenierung nicht gefallen habe oder ob er wegen der Demonstrationen im Stadtzentrum dringend ins Büro gerufen worden war? Die heimwärts fahrenden Autoschlangen geraten für kurze Zeit in Demonstrationszüge – am Fučikplatz versucht ein Verkehrspolizist, mit Handregelung Ordnung in das Chaos zu bringen – erfolglos, Autos fahren ihn fast über den Haufen.

Dichtung und Wirklichkeit, Bühne und Leben verschmelzen – auf den Dresdner Straßen fordern Menschen ihr Recht ein, ernst genommen zu werden.

………8. Oktober 1989

Es ist Abend. Rezensent Mathias Bäumel greift sich Stift und Heft, setzt sich in seinen Moskwitsch und will ins Stadtzentrum zur Tonne ins Kurländer Palais fahren. Dort soll das Konzert „Spielauffassungen im Vergleich“ stattfinden, über das er für die Tageszeitung „Die Union“ schreiben will. Von der Russisch-Orthodoxen Kirche des Heiligen Simeon vom wunderbaren Berge auf der Juri-Gagarin-Straße an geht es nur im Schritttempo voran. Menschenmassen am Hauptbahnhof und vor allem an der Prager Straße lassen den Verkehr stocken. Am Georgplatz wird er mit seinem Fahrzeug von Militärmannschaftswagen, Armee, Kampfgruppe oder Polizei, wer weiß das heute noch, eingeklemmt. Es gibt kein Vor und kein Zurück. Aussteigen und das Auto auf der Straße stehen lassen? Das kommt nicht infrage, besonders in dieser angespannten Situation nicht. Also Warten. Auf Fragen, wie lange das dauern könne, kommen keine Antworten, nur Achselzucken aus dunklen Fahrerhäusern, untermalt von aufglimmenden Zigarettenpünktchen. Als Bäumel endlich die Tonne erreicht, stand das Konzert kurz vor dem Ende. Eine Rezension ist deswegen nicht erschienen.

Aus den Demonstranten auf der Prager Straße bildet sich eine Gruppe von anfangs 23 Vertretern, um ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer aufzunehmen. Mit der Bildung dieser „Gruppe der 20“ gelingt der Durchbruch für die Friedliche Revolution.

An diesem 8. Oktober 1989 spielt der studierte Posaunist und Mathematiker Günter Heinz, erst etwa zwei Jahre als professioneller freischaffender Musiker tätig, im Ensemble von Hannes Zerbe zum Konzert „Spielauffassungen im Vergleich“ in der Tonne mit; Heinz war kurzfristig für Jörg Huke engagiert worden, der aus persönlichen Gründen verhindert war.

Eigentlich ist Heinz in jener Zeit vorwiegend in Berlin tätig, das Konzert in der Tonne ist eines seiner ersten in Dresden überhaupt.

………15. Oktober 1989

Eine Woche später, am 15. Oktober 1989, nimmt Günter Heinz in der Erlöserkirche in Berlin gemeinsam mit Künstlern wie Stephan Hermlin, Christa Wolf, Christoph Hein und Hunderten von Berliner Theaterleuten an der Vorbereitung der Großdemonstration für den 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz teil.

………9. November 1989

Ein kleines Jazzfestival in Berlin, im Filmtheater „Babylon“, nur wenige hundert Meter von der Berliner Mauer entfernt. Günter Heinz hat sein erstes Jazzkonzert mit einer eigenen, von ihm selbst geleiteten Band („Günter Heinz-Quartett“) .

„In jener Nacht trafen sich Vorgesehenes und Unvorhersehbares, persönlicher Erfolg und Geschehen von Weltgeschichte“, erinnert sich Günter Heinz. „Während die Musiker vertrackte melodische und harmonische Wendungen erfanden, die Zuhörer staunten, doch nebenher, manche auch hauptsächlich, den neuesten Meldungen aus mitgebrachten Kofferradios lauschten“, so Heinz, „geschah, was viele gehofft und nur wenige geahnt hatten: die Mauer fiel!“ Heinz weiter: „Nach dem Konzert – eigentlich stand noch der amerikanische Pianist Walter Norris auf dem Programm – leerte sich der Saal des Filmtheaters Babylon in wenigen Augenblicken, auf der Bühne spielte noch ein einsames, verlassenes Radio.“ Auf diese Weise erfahren Heinz und seine Mitmusiker, was geschehen war. „Doch die Instrumente konnten wir nicht allein lassen. Erst spät nachts, noch nicht begreifend, kam ich nach Hause. Aber es war beeindruckend: Die gesamte Stadt war hell und voller Leben.“

Dieses besondere, einen historischen Wendepunkt akustisch markierende Konzert hat Rigobert Dittmann 2002 in einer dem Bad Alchemy-Magazin 40/2002 beiliegenden Single in Ausschnitten dokumentiert; die Aufnahmen verdeutlichen eindrucksvoll die Spannung jenes Moments.

………14. November 1989

Günter Baby Sommer, der während der Oktobertage nicht in Dresden, sondern in Berlin weilte (er machte ohnehin gerade eine Reihe von privaten Problemen durch und wohnte nicht mehr wirklich in Radebeul) und dort vom 5. bis 7. Oktober mit Fiete Junge das Bobrowski-Programm aufführte, erlebt den Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 gemeinsam mit Uli Gumpert in Berlin. Für den 10. November waren im oberösterreichischen Wels Konzerte mit der Baby Sommer Reunion vereinbart, deswegen sitzt der Perkussionist wie auf Kohlen, es ist keine Zeit für ausgedehnte Stadtgänge, also hören beide Radio, um immer auf dem Laufenden zu sein, Sommer zögert seine Abfahrt Richtung Dresden wegen der Faszination der Nachrichten immer weiter hinaus. Nachts, gegen 2 Uhr des 10. November, fährt er schließlich mit dem Auto nach Radebeul, lädt seine Instrumente ein und begibt sich morgens auf die Strecke Zinnwald, Prag, Budweis, um dann weiter über Linz nach Wels zu gelangen. Bei Budweis kommt es zu einem schweren Unfall: Der Drummer schafft eine Rechtskurve nicht und „donnert“ geradeaus in eine Baustelle. Resultat: Das Auto ist schwer beschädigt, das Konzert in Wels kann zwar stattfinden, aber es vergehen mehrere Tage, bis Sommer sein repariertes Auto wieder zurück hat. Ein für den 13. November 1989 angesetztes Konzert in Berlin mit dem griechischen Pianisten Sakis Papadimitriou muss ausfallen, weil Baby Sommer erst am 14. November wieder in Berlin eintrifft.

………19. November 1989

Bild vergrößern Grafik (Jürgen Haufe)

Grafik (Jürgen Haufe)

Auf dem Theaterplatz in Dresden findet eine große Kundgebung der Kulturschaffenden mit Tausenden Teilnehmern statt. Ansprachen wurden von 22 Künstlern, Musikern, angahierten Theaterleuten, Journalisten und weiteren Personen gehalten. Günter Baby Sommer, einziger Jazzmusiker unter den Rednern, kritisierte scharfzüngig die geistige Bevormundung der Bevölkerung, die Unfähigkeit der Kulturfunktionäre, die „von Tuten und Blasen“ keine Ahnung haben, und die Doppelmoral einiger DDR-Kunst-Prominenter. „Eine Vision habe ich: Täte man die Parteiabzeichen aller un­fähigen Funktionäre in eine große Metallschüssel, ich könnt euch ein Perkussionskonzert spielen, dass es durchs ganze Elbtal raschelt!“

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